Auf Rückerts Spuren - Rückert-Gymnasium Berlin

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Aktuell
„Weltpoesie allein ist Weltversöhnung“ –
Das Motto des fränkischen Weltpoeten Friedrich Rückert

Der Weltpoet. Treffender könnte man Friedrich Rückert wohl nicht beschreiben. „Weltpoesie allein ist Weltversöhnung“ – Friedrich Rückert war überzeugt: Menschen können einander nur verstehen, wenn sie sich mit Literatur und Kultur des jeweils anderen auseinandersetzen. Den Sprachwissenschaftler und Dichter aus Franken faszinierte besonders der Orient. Er übersetzte den Koran und das persische Nationalepos „Schahname“. Noch heute halten viele renommierte Experten seine Übertragungen aus dem Arabischen bzw. Persischen für literarisch unerreicht. Man zählt ihn wohl nicht zu Unrecht  zu den bedeutendsten Mittlern zwischen den Literaturen des Orients und des Okzidents in Europa. Sein Wirken ist damit gerade auch für unsere Schule und die gesamte Gesellschaft hochaktuell.

Am 31. Januar jährte sich der Todestag des Zeitgenossen Johann Wolfgang von Goethes und Freund Alexander von Humboldts zum 150. Mal und nicht nur seine Heimatstadt Schweinfurt hat deshalb ein ganzes Rückertjahr ausgerufen, sondern auch weitere Wirkungsorte Friedrich Rückerts wie Coburg, Erlangen, Oberlauringen, Hofheim, Ebern oder Seßlach.

Auch am Rückert-Gymnasium gab es aus diesem Anlass im Juni eine von Schüler*innen und Lehrkräften gestaltete Feierstunde. Die Gäste aus Franken (Herr Dr. Kreutner von der Rückert-Gesellschaft in Schweinfurt und Frau Schäfter vom Erlanger Rückert-Kreis) zeigten sich sehr beeindruckt und luden zum Gegenbesuch ein. Für mehr als eine Stippvisite Anfang November war allerdings leider keine Zeit.  

Höhepunkt des Rückertjahres war und ist die Ausstellung „Der Weltpoet: Friedrich Rückert (1788-1866) – Dichter, Orientalist, Zeitkritiker“, zu sehen gewesen zunächst in Schweinfurt, und nun – inhaltlich angepasst – in den anderen fränkischen Rückert-Städten Erlangen bzw. zu Beginn des Jahres 2017 dann in Coburg. Und so bot sich ein Gegenbesuch in Rückerts geliebter fränkischer Heimat in Verbindung mit einem Besuch der Ausstellung an. Da auch die in Coburg lebenden Nachfahren Rückerts einer Besichtigung seines Altersruhesitzes in Neuses zustimmten, konnte das Programm inhaltlich weiter abgerundet werden.  

Rückert beschrieb sein Leben als Teppich, an dem er ununterbrochen webte. Ein Zitate-Teppich markiert auch seinen Lebensweg in der Ausstellung: Rückerts Kindheit in Schweinfurt, die Studienzeit in Würzburg und Jena, seine Reise über die Alpen nach Rom, die Jahre als Professor in Erlangen und Berlin kurz vor der Revolution und die Altersjahre in Neuses (Coburg). Wichtige Wegbegleiter treten auf: die geliebte Ehefrau Luise, sein Förderer König Ludwig I. oder die Berliner Kollegen Jakob und Wilhelm Grimm. Über das Zeitgeschehen informieren großformatige Journale: die Freiheitskriege, der Rückzug ins Privatleben im Biedermeier oder die rasante Entwicklung im Maschinenzeitalter. Tonspuren für Kinder und Erwachsene lassen von Rückert übersetzte Originaltexte und seine eigenen Gedichte lebendig werden.

Es wird überaus deutlich, dass der gebürtige Schweinfurter Friedrich Rückert zu den großen Intellektuellen des 19. Jahrhunderts gehörte. Er beschäftigte sich mit über 40 Sprachen, war Mitbegründer der deutschen Orientalistik und schrieb Bühnenstücke sowie fast 25.000 Gedichte. Rückerts Werke wurden weltweit in 20 Sprachen übersetzt. Es gibt kaum ein kulturell konstituierendes Werk der europäischen oder orientalischen Literatur, das Rückert nicht zumindest in umfänglichen Auszügen kongenial ins Deutsche übertragen hätte; darunter wie schon erwähnt auch der Koran. Berühmte Komponisten wie Robert und Clara Schumann, Gustav Mahler oder Richard Strauß vertonten seine Werke. Bis heute beziehen sich Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler auf Friedrich Rückert, darunter Vincent van Gogh, Hermann Hesse, Thomas Mann und Marcel Reich-Ranicki. Janosch legte seinen Figuren Rückert-Zitate in den Mund und auch Donald Duck rezitiert seine Gedichte. Rückerts Lebensthemen Liebe, Freiheit, Frieden und Verständigung bewegen noch heute.

In Neuses verfasst er einen tausende von Gedichten umfassenden Abgesang auf die vor seinen Augen untergehende, vornehmlich noch agrarisch verfasste und aristokratisch geprägte Ständegesellschaft ‚zugunsten‘ der nun aufziehenden, zunehmend von der aufkommenden Industrie bestimmten Massengesellschaft – samt all der damit verbundenen Friktionen. Neben Alltagsbegebenheiten werden in diesem „Liedertagebuch“ auch die soziale Frage, die mit der Industrialisierung einhergehenden Umweltprobleme, die Frage nach einem würdigen Alter sowie der nahende Tod erörtert.

Rückert stand als Orientalist und Weltbürger schon zu seiner Zeit für einen Begriff, der heute mit "interkultureller Dialog" umschrieben wird. So war Friedrich Rückert Weltpoet, aber auch fest in seiner Heimat verwurzelt. Er wollte schon  Mitte des 19. Jahrhunderts den Deutschen den Zugang zu möglichst vielen Kulturkreisen erschließen, damit sein Motto wahr werde. Rückert ist damit „up-to- date“, auch wenn er schon seit 150 Jahren tot ist.  

Die beigefügten Bilder sollen einen visuellen Eindruck von meiner äußerst interessanten „Dienstreise“ vermitteln.

Dr. Jörg Balke
10825 Berlin    Mettestr. 8    (030) 90 277 71 73
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